Die Algarve lockt im Februar mit Sonne und Kurze-Hosen Wetter. Zeit für eine Portugal Gleitschirmreise!
Es gibt Traditionen, die man nicht brechen soll, und so gibt es für mich die alljährliche Planung einer Flugreise im Februar, um im Warmen zu fliegen und den wirklich kalten Flugtagen zuhause im österreichischen Schnee zu entfliehen. Diesmal haben mir meine besten Reisepartner Ulli und Tomy Hofbauer die Entscheidung leicht gemacht: Ja, ich komme mit an die Algarve – zu viele großartige Videos und Bilder der beiden durfte ich in Vergangenheit ertragen...
Mit von der Partie sind noch vier weitere FliegerkollegInnen. Aber wenn es so einfach wäre: Die Wettervorhersage ist wirklich bescheiden, sogar Silvia Ventura unsere NOVA-Teampilotin, wohnhaft südlich von Lissabon meinte: »Das wird nichts mit Flugwetter«. Einzig Tomy war sich sicher: »JA, wir fliegen« – ich vertraute als Einziger auf seine Expertise und somit wurde aus der großen Gruppe eine kleine und feine Expeditionsgruppe ins Ungewisse. Am Ende sind wir von sechs möglichen Flugtagen an fünf Tagen in die Luft gekommen. Dieses Intro beschreibt sehr gut die versteckten Möglichkeiten an der Algarve: Aber es braucht viel Gefühl für Wind und Wetter, lokale Kenntnis und Skills – dann, ja dann kommt man auch in die Luft. Meine beiden »Guides« kennen sich nach vielen Jahren an der portugiesischen Küstenlinie wirklich gut aus. Im gleichen Atemzug kann es passieren, dass manche Alleinreisende zur selben Zeit nie zum Fliegen kommen.
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Lissabon bleibt rechts liegen, der erste Spot Sines lockt.
Mit Tomy und Ulli zu reisen bedeutet: Es wird grundsätzlich jeden Tag geflogen! Lissabon mag schon nett sein, wir sind aber da, um die Klippen und Sonnenuntergänge fliegend zu sehen, das ist Nahrung für uns, das brauchen wir. Somit starten wir in den Süden nach Sines – es besteht die klitzekleine Möglichkeit für einen Flug. Belohnt werden wir mit einer leichten Brise vom Meer, die dazu reicht unsere Schirme aufzuziehen, zum Strand zu gleiten und bei Sonnenuntergang gepaart mit phantastischem Licht den Vollmond aufgehen zu sehen.
In Burgau geht es richtig los:
Der erste richtige Flugtag beginnt mit reichlich Wind an einem Klippenstartplatz mit dornigem Gelände und wenig Platz zum Schirmauslegen. Feine Beobachtung der Anströmkante zeigt auf der langen Klippenlinie den optimalen Platz für den Katapultstart. Trotzdem ist der Start spannend, wir genießen den Tag bei blitzblauem Himmel mit Toplandungen und gewaltigen Eindrücken. Unsere Hangkante säumt ein Wanderweg und später fanden wir heraus, dass es einige Weitwanderwege in Portugal gibt. Als Beispiel führt der Ecovia Fahrrad- und Wanderweg direkt an der Küstenlinie entlang. Somit ist es möglich, recht nah an der Hangkante den Buchten zu folgen und immer wieder Startplätze mit der richtigen Windrichtung zu finden.
Die Sache mit dem Wind:
Es lohnt sich der Blick im Detail und man stellt fest, dass es immer wieder Buchten gibt, die außer NO-O Winde fast alle Startrichtungen von NW bis SO-Wind zulassen. Manchmal ändert der Wind tagsüber die Windrichtung und man befindet sich eigentlich immer beim »Spothopping« für den idealen Startplatz. Hier unterscheiden wir Flieger uns fast gar nicht vom gemeinen Surfer, die im Winter sehr oft in Portugal zu finden sind: Die perfekte Welle ist das Ziel und das ändert die Bucht der perfekten Windrichtung oft recht rasch. Die lokalen Flieger sind sogar in einer Signalgruppe organisiert, um immer zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein – und sei es nur, um für 30 Minuten zu Soaren. Ausgewiesene und offizielle Startplätze gibt es nur wenige.

Flexibel sein heißt die Devise:
Wir befliegen vormittags bei Sagres einen Minihang Richtung SO mit einer tollen Hafenstimmung im Hintergrund und schrägen Graffiti-bemalenen Häusern am Strand. Der Startplatz: Die Wiese vor einem Hotel, welches im Winter geschlossen hat. Mehr als 2 Schirme haben zeitgleich keinen Platz an der Minikante. Der Wind schläft ein und wir wechseln innerhalb kürzester Zeit auf die NW-Seite der Algarve. Unser lokaler Freund und Pilot Jörg ist uns hier eine großartige Unterstützung.
Praia da Cordoama – der wohl bekannteste Traumspot.
Wir setzen über, beim Vorbeifahren wird schnell Essen eingekauft und ab geht es an die – jetzt im Kontrast zu Sagres – superhohe Klippe. Der Parkplatz ganz oben, ein Schirm fliegt schon und unsere Herzen schlagen im freudigen Takt. Dieser Spot ist Sonnenuntergangsplatz Nr. 1 für Touristen und wir wissen bald warum: Wir gleiten nach Nordost, landen am nächsten Hügel zu dritt Top und spielen im laminaren Wind, bis die Sonne beinahe untergeht am Horizont. Wie die Möwe Jonathan fliegen wir in die untergehende Sonne, steigen aus tiefstem Niveau wieder im laminaren Wind auf Startplatzhöhe und fliegen unter Beobachtung vieler Schaulustiger, bis es wirklich dunkel wird. Der Startplatz ist perfekt und kann aus mehreren Höhen – je nach Windstärke – beflogen werden.
Der Wind lässt nach, wir haben das perfekte Timing für unsere Landeoption A und landen direkt bei den Surfern am Strand zum Bier ein.
Ponta de Sagres – Fliegen an den Festungsmauern.
Die Burg von Sagres wurde schon vor 6.000 Jahren erstmals steinzeitlich besiedelt und ist von großer geschichtlicher Bedeutung für die Algarve: Die ersten Entdeckungsreisen der Seefahrer wurden hier geplant. Die Lage auf einer Landzunge ist sehr spannend: Es kann an zwei Windrichtungen geflogen werden, nördlich säumen sich Surferstrände mit guten Wellen, die Festungsmauer wurde direkt an die Klippen gebaut. Mitunter einer meiner spannendsten Flüge: Der Wind ist nicht sehr stark – das Windfenster laut Vorhersage sehr kurz und abnehmend – Fliegen kann man hier laut Jörg in Richtung West nur selten, aber wenn Engel reisen ... Der Flug an der Burgmauer entlang ist einzigartig: Unter unseren Flügeln nur raue Küste – ein Notlandeplatz weiter nördlich: Dort wo die Surfer sind. Wir handeln uns entlang bis fast ans Ende der Landzunge – keine 30 m über dem Meer und im Hintergrund sehen wir die Surfer großartige Wellen reiten – es ist abstrakt und surreal hier zu schweben. Dreißig Minuten fliegen kommt mir vor wie eine Ewigkeit und gestaltet sich als eines meiner persönlichen Highlights der Reise! Der Wind lässt nach, wir haben das perfekte Timing für unsere Landeoption A und landen direkt bei den Surfern am Strand zum Bier ein.

Am Ende der Welt: Der stille Wächter mit Warnlicht – Farol do Cabo de São Vicente
Dieser Ort ist magisch: Der Leuchtturm befindet sich am südwestlichsten Punkt Europas und diente einst am Kap des Heiligen Vinzenz den Seefahrern als wichtiger Orientierungspunkt. Natürlich ein touristischer Hotspot, aber durchaus sehenswert. Die Steilküste zeigt sich in ihrer schönsten Form und der Sonnenuntergang als Kontrast zur rauen See ist wirklich gewaltig schön. Für Bikepacker unter uns: Es ist Endpunkt des Bikepacking European Divide Trail – ganz im Norden von Norwegen an der russischen Grenze beginnend mit mehr als 7.600 km Länge.
Unser »secret spot«
Die Algarve bietet am Ende der Reise schlechtes Flugwetter mit Regen und so verlegen wir in den Norden von Lissabon an einen »secret spot« mit Sanddüne – das Coole daran: Die Sanddüne liegt innerhalb einer Omega-förmigen Bucht mit Soaringmöglichkeiten hin zum ablandigen Wind. Superspeziell Soaren wir auf – der Blick Richtung Landesinnere und im Rücken der Atlantik: Tomy und ich schaffen den Flug ganz ans Ende zur Pilgerkirche am Ausgang der Bucht. Das Jauchzen unser Freudensschreie hat man ganz bestimmt bis Lissabon gehört 😉
Die gewaltigen Wellen von Nazaré: Muss man sehen
Der Surf-Spot schlechthin mit bis zu 30 m hohen Wellen: Uns zieht es hinein in diese phantastischen Gebilde, die von fanatischen Surfern befahren werden. Wir könnten tagelang zusehen und uns von dieser Atmosphäre inspirieren lassen. Es wird hier sogar geflogen ...
Wer sollte diese Reise wagen?
Es ist keine Reise für Anfänger, sondern für Fortgeschrittene, idealerweise mit Dünenerfahrung. Im Zweifel sollte man sich einer geführten Tour anschließen.
Die Sache mit Ebbe und Flut: Die Algarve hat einen Höhenunterschied von bis zu 3 m von Ebbe zu Flut. Es ist enorm wichtig, die Brandungslinie zu beobachten und immer einen Plan A und B zu haben, falls am Strand gelandet werden muß. Innerhalb kurzer Zeit kann die landbare Küstenlinie von einer breiten Landebahn zu einem kleinen landbaren Streifen nahe der gefährlichen Brandungslinie mutieren. Vor einigen Jahren gab es einige Strände weiter im Norden bei Praia do Meco einen Unfall von drei Österreichern: Die landende Pilotin hat nur den Stabilo in die Brandung gelegt, wurde in Wasser gezogen und die beiden Helfer, welche sie retten wollten, sind ebenfalls ertrunken. Andererseits kann es auch sein, dass Einschnitte mit Tälern ins Landesinnere (z.B. Praia da Cordoama) starke Düseneffekte erzeugen, die wirklich hohe Windgeschwindigkeiten produzieren. Aktives beobachten und Vorsicht ist hier allerhöchste Priorität. Eher nicht für allein reisende Anfänger und unerfahrene Piloten ...
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Fazit:
Eine Reise für Sonnenhungrige und Soaringfreaks, mit kulinarischen Highlights, einsamen Stränden und tollem Licht für Fotografen. Auf alle Fälle die perfekte Fluchtmöglichkeit im Winter für uns Alpenflieger abseits des Mainstreams. Es braucht nur ein wenig Kreativität sowie Spontanität und am Ende auch das letzte Quäntchen Wetterglück für eure besten Erlebnisse im Süden Portugals.











































































